Montag, 16. Juli 2007
Die Polizei
warum sind gelbe nummerntafeln so angenehm?
lukas faehrt wieder einmal (alleine) mit dem taxi von leon nach managua. plotzlich wird er von einem polizisten an den strassenrand gewunken und bleibt brav stehen.
sagt der polizist..."jo, aaehm, sie sind, aaaeehhmm schlecht gefahren".
"wie bitte?"
"ja, sie sind schlecht gefahren und darum muessen sie jetzt vooooool viel strafe zahlen und den fuehrerschein abgeben"
"aha"
der polizist erklaert das ganze noch etwas "genauer" und lukas fragt, ob das ganze nicht auch etwas weniger umstaendlich geht ("koennen wir das auch hier regeln")
lukas behauptet 100 cordoba dabei zu haben und der polizist ist einverstanden. lukas zieht die geldtasche raus..."sie haben da aber 200 cordoba in ihrer geldtasche"
"ja sicher, ich muss ja auch noch benzin tanken"
"aja, stimmt" sagt der polizist kleinlaut und lukas darf weiterfahren
auf dem rueckweg von managua wird das taxi, nun mit 4 weiteren oesterreichern besetzt, und einem rucksack auf dem dach wieder angehalten.
"der beifahrer ist nicht angeschnallt" super, das liegt daran, dass das fahrergurtschloss kaputt ist und sich somit nur einer vorne anschnallen kann... lukas ueberlegt sich ernsthaft, dem polizisten diesen sachverhalt zu erklaeren und auf dessen verstaendniss zu hoffen, entscheidet sich dann aber wieder fuer die andere variante. dieses mal sinds 90 cordoba und eigentlich ist auch das noch zu viel.
naechstes mal wieder mit gelber nummer, dann zieht auch der spruch "dies ist eine oesterreichische delegation und unglaublich wichtig blablabla" ;-)
glg, und nicht "schlecht" fahren!
lukas
Montag, 2. Juli 2007
Erster Viermonatsbericht – Zivilersatzdienst
Erster Viermonatsbericht – Zivilersatzdienst
Jaenner bis Mai 2007
HORIZONT3000 – Österreichische Organisation für Entwicklungszusammenarbeit
Einsatzland: Nicaragua
Auslandsdiener
Name: Lukas Meusburger
Cooperante 0098-07, Zahl 01-07
Zeitraum: 29.01.07 – 28.01.08
E-Mail: xxx
Projektverantwortlich
HORIZONT3000 – Field Office Central America
Maga. Doris Kroll
Apto. 128, Managua, Nicaragua
Tel.:
Fax:
E-Mail: oficina.nic@horizont3000.org
Projektpartner:
CHICA
(Coordinación de Hermanamientos e Iniciativas de Cooperación Austríaca)
EH-Projektnummer: 1273-00 / 06
Dr. Elmer Zelaya Blandón
Apto.81, Leon
Nicaragua
Tel/Fax.:
E-Mail: chica@ibw.com.ni
Einleitung
Mein Einsatzort ist das Koordinationsbuero fuer oesterreichische Staedtepartnerschaften und Solidaritaetsgruppen in Leon, nachfolgend Oficina CHICA (Coordinación de Hermanamientos e Iniciativas de Cooperación Austríaca) genannt. Wie der Name schon sagt, ist das Buero die Schnittstelle fuer ca 22 verschiedene Projekte in ganz Nicaragua und ihre oesterreichischen Counterparts.
Das moegliche Taetigkeitsfeld eines Zivildieners ist aufgrund der Vielzahl verschiedener Projekt fast unbegrenzt und die Moeglichkeiten, sich einzubringen ebenso.
Die Meinigen reichen dabei von Netzwerkadministration, ueber das Abhalten von Schulungen bis hin zur Unterstuetzung von einzelnen Projektgruppen.
Nachfolgender Bericht soll einen genaueren Einblick in meine Arbeit ermoeglichen.
Taetigkeiten
Computerinfrastruktur – Oficina CHICA
Die Oficina CHICA verfuegt (nach nicaraguanischem Massstab) ueber eine sehr fortschrittliche Computerinfrastruktur. Normalerweise sind 18 Computer ans Netzwerk angeschlossen, deren Anzahl bei Bedarf, (zB bei grossen Sitzungen) durch Anschluss an eine der Zahlreichen Wandbuchsen oder ans WLAN, beliebig vermehrt werden kann. Schnittstelle des ganzen ist ein Windows2003 Server. Das Buero ist ueber Mikrowellen (384kbps) mit dem Internet verbunden.
Aufgrund meiner Ausbildung und des Fehlens eines Zustaendigen fuer diese Infrastrukur, bin ich der Administrator des Netzwerks und erste Ansprechperson bei jeglichen Problemen.
Das an sich hervorragende System wird leider nur maessig effizient genutzt. Beispielsweise sich an Ordnerstrukturen zu halten, ist mit nicaraguanischem Vorgehen oft nicht zu vereinen, was meine Arbeit in diesem Falle nicht wirklich erleichtert. Auf diese Weise geht relativ viel Information zwar nicht verloren, ist aber im Bedarfsfalle nur sehr schwer auffindbar. Zum Teil stehen der produktiven Nutzung auch schlicht und einfach unbegruendete Annahmen im Wege, die dann unglaublich schwierig ausgeraeumt werden koennen. So war es bereits nicht einfach die Mitarbeiter davon zu ueberzeugen, dass der Server mitnichten als unsicher zu bezeichnen ist, sondern aufgrund seiner doppelt gespiegelten Festplatten der mit Abstand sicherste Aufbewahrungsort fuer alle Dateien waere.
Dies wird aber nach wie vor nicht ganz akzeptiert und so ist es eines meiner Ziele, im Rahmen meiner Taetigkeit ganz langsam ein wenig Bewusstsein fuer Netzwerke und deren Funktionsweise zu schaffen und somit deren Benutzung effizienter zu gestalten.
Einen Grossteil meiner Zeit (vermutlich an die 20%) verbringe ich allerdings damit, bei ganz alltaeglichen Computerproblemen zu helfen. Angefangen von Computern die sich nicht einschalten lassen, bis zum Installieren von Programmen. Dies ist zwar oft laestig und haelt mich gefuehlsmaessig „vom Arbeiten ab“ laesst sich aber in keiner Organisation vermeiden, foerdert schlussendlich eh nur die Kommunikation mit den Mitarbeitern und ist nun mal auch meine Arbeit.
Kommunikation Oesterreich – Nicaragua
Dieser schoene Titel bedeutet in erster Linie das Uebersetzen von Deutsch auf Spanisch und umgekehrt. Da viele Mitglieder der Oesterreichischen Solidaritaetsgruppen kein oder nur schlecht Spanisch sprechen kommen, einige Mails auf Deutsch, welche dann uebersetzt werden muessen. Selbiges wird natuerlich auch in die umgekehrte Richtung benoetigt und schlussendlich wird auch jedes Jahr der Jahresbericht erst spanisch verfasst und dann vom jeweiligen Zivildiener uebersetzt. Speziell interessant sind jedoch offizielle Briefe, bei denen dann wirklich auf Formulierungen geachtet werden muss. Diese Taetigkeit nimmt zwar insgesammt nicht viel Zeit in Anspruch, (normalerweise ca 2-3 Stunden pro Woche, in Stosszeiten bis zu 30) traegt aber sehr zur positiven Entwicklung meiner Spanischkenntnisse bei. Mitunter laestig, jedoch typisch nicaraguanisch ist daran folgendes: Es wird nicht etwa angekuendigt, dass diese Woche dies und dies zu uebersetzen ist, sondern es kommt ploetzlich ein Mail: „Ich brauche diese Uebersetzung genau jetzt, ist unglaublich dringend“.
Deutschkurs
Eine der ersten, fuer mich angedachten Taetigkeiten war die Abhaltung eines Deutschkurses fuer die Mitarbeiter der Oficina CHICA. Wie so oft in Nicaragua wurde einfach gesagt: „Sie sollen Deutsch lernen“. Weder bis zu welchem Grad, noch wie schnell oder mit welchen Mitteln. Fuer mich war das absolutes Neuland und bereits die Beschaffung der benoetigten Materialien kann nicht wirklich als einfach bezeichnet werden. Schlussendlich war ich jedoch nicht schlecht ausgestattet, hatte die ersten zwei Stunden vorbereitet und die erste davon auch gehalten. Diese erste Stunde hielt ich dann ca. 3-mal. Das Problem dabei: Die Arbeitsablaeufe sind hier einfach nicht genau geregelt und es passiert immer irgendetwas, soll heissen, von den 4 Mitarbeitern waren meistens nur 2 Anwesend, die zwar allenfalls in der letzten Stunde anwesend waren, sich dann (mangels Lektuere der Materialen zu Hause) aber an nichts mehr erinnern konnten. Da ausserdem 3 dieser 4 nebenbei gerade einen Englischkurs absolvieren und mir es nicht sinnvoll erschien, den Kurs unter diesen Voraussetzungen fotzufuehren, kann das Projekt als gescheitert bezeichnet werden.
Ganz umsonst war es trotzdem nicht, denn die beschafften Materialen, sowie die vorbereiteten Unterrichtseinheiten wurden bzw. werden nun von meinem Kollegen Martin Guggenberger fuer seinen Deutschkurs in Chichigalpa verwendet. Siehe dazu Bericht (Zahl 01-07) von Martin Guggenberger (Cooperante 0097-07).
Computerschulungen
Die Oficina CHICA verfuegt ueber ein sogenanntes Cyber [Siber], das sowohl den StipendiantInnen, wie auch den Projektgruppen offen steht. Ein Cyber ist im nicaraguanischen Sinne ein Internetcafe, wobei es meistens keinen Kaffee gibt. So auch hier, mit der Besonderheit, dass der Zugang fuer die Beguenstigten gratis ist. Die Projektgruppen sollten es (sofern sie nicht ueber eigene Infrastruktueren verfuegen) zur Kommunikation mit Oesterreich verwenden und die StipendiantInnen zur Akquisition von Information und zum Schreiben ihrer Arbeiten. Von beiden Seiten wird dies allerdings derzeit nur maessig gut angenommen und auch in den Projekten wo schnelle Internetverbindungen vorhanden sind werden diese meist ineffizient genutzt.
Wir sind der Ansicht, dass dies vor allem darum so ist, weil einfach zu wenig Wissen vorhanden ist. Wer nicht weiss, was mit einem Computer alles gemacht werden kann und schon gar nicht „wie“, der wird auch nicht regelmaessig die Infrastruktur in der Oficina CHICA nutzten – trotz der Tatsache, dass dies ein fast einmaliges Angebot darstellt. Computer, ganz zu schweigen von Internet, existieren in Privathaushalten praktisch nicht und so schreiben die meisten Studenten ihre Arbeiten in oeffentlichen Cybers und bezahlen dabei fuer jede Stunde. Die Projektgruppen ihrerseits kommunizieren sich einfach zu wenig, was nicht selten fuer Missmut in Oesterreich sorgt.
Um dies zu verbessern entwarf ich ein Manual, dass nicht nur die Prinzipien von Netzwerken und dem Internet erklaert, sondern auch ganz praktische Dinge, wie die Benutzung von Internettelefonie oder das Einrichten eines Email-Accounts. Das ganze ist allerdings nicht zum Selbststudium geeignet, sondern als Begleitheft fuer meine Kurse. Einer davon wurde bereits Abgehalten und obwohl die Teilnehmerzahl schlussendlich deutlich geringer als erwartet ausfiel, kann von einem ersten Erfolg gesprochen werden. Weitere Kurse mit StipendiantInnen sowie Projektgruppen werden folgen.
Website
Aus dem HORIZONT3000 Buero in Wien wurden wir nachdruecklich auf die hohe Prioritaet eines brauchbaren Internetauftritts hingewiesen, den wir somit zu einer unserer vordringlichsten Aufgaben erkoren haben.
Zusammen mit meinem Zivi-Kollegen Martin Guggenberger und Dr. Elmer Zelaya entwarf ich ein Konzept, um nicht nur CHICA selbst, sondern auch alle eingebundenen Projekte uebersichtlich zu praesentieren.
Da ich weitreichende technische Vorkenntnisse in diesem Bereich besitze, faellt es mir zu, die Website gemeinsam mit einem Techniker der UNAN-Leon, Oscar Delgado zu entwickeln und das Vorgehen zu koordinieren.
Auch hier werden die Kulturunterschiede deutlich und speziell bei der Designentwicklung war es nicht einfach, auf eine gemeinsame Linie zu kommen. Nach wie vor habe ich sehr mit dem teilweise unstrukturierten Vorgehen zu kaempfen, speziell dann, wenn meine Anweisungen sehr klar waren.
Eine weitere Schwierigkeit, auf die sowohl Martin, wie auch ich laufend stossen, ist die furchtbare Quellenlage. Ausser den Jahresberichten des Koordinationsbueros existieren fast keine chronologisch geordneten Informationen und somit lassen sich gewisse Historien nur durch lange Gespräche klären.
Ansich jedoch kommen wir gut voran und es ist damit zu rechnen, dass die Website im Juli online gehen und dann nach und nach mit Inhalten der einzelnen Projekte gefuellt werden wird.
Entwicklung Logo-Neu
Im Rahmen der Websitentwicklung stellten wir fest, dass CHICA zwar ueber ein Logo verfuegt, dies aber einfach dermassen haesslich ist, dass es schlicht und ergreifend nicht verwendet werden kann und darum auch nicht wird.
Deswegen begann ich mit dem Voluntario Fabian Liszt gemeinsam, die Entwicklung eines neuen Logos fuer CHICA, welches auf der Website verwendet werden soll. Die Idee dahinter geht allerdings noch weiter. CHICA ist Leon zwar eine bedeutende NGO, bei der „normalen“ Bevoelkerung aber so gut wie unbekannt. Meiner Meinung nach, kann dies durch einige kleine PR-Massnahmen, wie das Anbringen auf Auto und Bueroaussenwand, bereits verbessert werden.
Netzwerk Alcaldia-Chichigalpa
In der Alcaldia Chichigalpa wird derzeit mit Computerloesungen gearbeitet, die einer Bezirksverwaltung unwuerdig sind. Gemeinsam mit der Geschaeftsfuehrerin und dem Buergermeister von Chichigalpa erarbeiteten mein Zivildienstkollege Martin Guggenberger und ich einen Plan fuer ein kleines Netzwerk, an das auf ihren Wunsch lediglich 8 der 27 PCs angeschlossen werden. Ueber die Kontakte von CHICA konnte auch ein guenstiger Vertrag fuer die Internetanbindung erreicht werden, wobei ich die Verhandlungen fuehrte. Ueber das selbe Netzwerk soll auch ASDECOSI endlich zu einem einigermassen leistungsfaehigen Internetanschluss kommen, der in erster Linie der internationalen Kommunikation dienen soll.
Die Installation ist fuer den naechsten Monat geplant.
Funkgeraete installieren
Um auch in den laendlichen Gegenden Nicaraguas – speziell in Notfaellen – Kommunikation zu ermoeglichen, arbeitet CHICA staendig am Aufbau eines leistungsfaehigen Funknetzes, das mittels Repeater-Stationen eine hohe Reichweite aufweist.
Gemeinsam mit Techniker Julio Reyes und Martin Guggenberger, sowie 2 Mitarbeitern der Bezirksverwaltung von El Viejo, half ich bei der Installation von 4 Funkgeraeten auf der Halbinsel von Cosiguina, nahe der El Salvadorianischen Grenze.
Projektbetreuung Vorarlberg-Waspan Sur
Bereits vor meiner Ankunft hatte ich Kontakt mit dem Vorarlberger Nicaragua Komitee. Durch meine persoenlichen Bekanntschaften mit den Oesterreichischen Komitee-Mitgliedern bin ich nicht nur oft die Ansprechperson bei kleineren Problemen, sondern auch oefters zur Repraesentation von CHICA oder der Solidaritaetsgruppe bei Veranstaltungen vor Ort. Dokumentarische Arbeiten ergänzen meine Taetigkeit.
Medizinische Reise nach Oesterreich
Aufgrund einer linksseitigen Leistenhernie, die waehrend meines Nicaraguaaufenthalts akut und von den hiesigen Aerzten richtig diagnostiziert wurde, musste ich eine Reise nach Oesterreich antreten. Ich wurde von Prim. Dr. Dietmar Wohlgenannt im Landeskrankenhaus Hohenems operiert und konnte nach einer Woche im Krankenhaus und einer weiteren im Haus meiner Eltern wieder die Rueckreise antreten.
Fotografische Dokumentation
Als begeisterter Fotograf und als Besitzer einer digitalen-Spiegelreflexkamera faellt mir bei Projektreisen und Aktivitaeten meist die Aufgabe zu, diese fotografisch zu dokumentieren. Anschauungsmaterial ist fuer die Gruppen in Oesterreich unglaublich wichtig und nur dadurch kann eine Solidaritaetsbewegung aufrecht erhalten werden und neue Mitglieder gewinnen. Auf diese Weise werden jaehrlich fast alle Projekte dokumentiert, wie so auch beim Schulfruehstueck in Chichigalpa. Siehe dazu Bericht (Zahl 01-07) von Martin Guggenberger (Cooperante 0097-07).
Schluss
Wie der Bericht beweist, ist das Taetigkeitsfeld ein recht weit gestreutes – fuer mich in meiner Situation gleichzusetzen mit „unglaublich interessant“. Die Arbeit in CHICA bietet mir nicht nur die Moeglichkeit eine Vielzahl von interessanten Projekten und Arbeiten kennen zu lernen, sondern mich auch mit meinen eigenen Ideen einzubringen. Dies Macht es mir moeglich da mitzuarbeiten, wo ich meiner Meinung nach auch von Nutzen sein kann.
Nichtsdestotrotz stellt sich die Arbeit in Nicaragua nicht gleich wie in Oesterreich dar und es bedarf vielfach grosser Geduld und Flexibilitaet, um mit NicaraguanerInnen zusammen zu arbeiten und sich auf ihre Arbeitsweisen einzulassen.
Oft erscheint es nur zu verlockend den oesterreichischen Weg durchzudruecken, doch dass dies meist nicht funktioniert, lernt man recht schnell. Gleichzeitig bin ich jedoch davon ueberzeugt, dass auch ich meinen Arbeitskollegen einiges an neuen Ideen und Gedanken eroeffnet habe und somit der positive Kulturaustausch funktioniert.
Ich bin dankbar fuer die mir eroeffneten Moeglichkeiten und hoffe, dass noch vielen jungen Oesterreichern die Moeglichkeit eroeffnet wird, in ihrem Auslandszivildienst aehnliche Erfahrungen zu machen.