fuer den folgenden text brauchen wir zuallererst einen kleinen spanischen Wortschatz.
mira!...schau!, hör zu! etc. (Aufforderung, sehr häufig gebraucht)
plátano…Banane
caballo…Pferd
recolector de basura…Muellabfuhr
si…ja
Lukas faehrt mit Julio nach ‚El Viejo’ – zu Deutsch ‚der Alte’. In El Viejo gibt es eine Organisation, die Alcaldía. Nun gibt es fuer Lukas kurzzeitig nichts zu tun und er bittet einen Nicaraguaner, der ebenfalls nichts zu tun hat (ja, das soll vorkommen ;-)) ihm die Organisation kurz zu zeigen bzw zu erklaeren.
Der Nica freut sich und wir spazieren los. Soweit so gut, eigentlich sehr freundlich.
Wir spazieren also über das Gelaende und der freundliche Herr beginnt zu erklären…’Mira, Platanos’, ‚Mira, Caballo’. Sehr schön, dass es hier Bananenbaeume und Pferde gibt, denk ich mir, nur was IST die Alcaldía eigentlich und was macht sie?
‚Qué hace la alcaldía en realidad?’ (gleichzeitig faehrt ein Auto der Muellabfuhr vorbei) ‘Mira, recolector de basura’….
‚die Muellabfuhr ist also auch von der Alcaldía?’
‚Si, Alcaldía’
(Der Einfachheit halber ab jetzt auf Deutsch)
‚Also organisiert die Alcaldía die Muellentsorgung, und was macht sie sonst noch?’
‚Parks’
‚Aha, Parks… allenfalls auch Strassen?’ (wir stehen vor einer riesigen Dampfwalze)
‚Si, Alcaldía…’ ;-)
‚Ok, und wie läuft das, ist das ein Privater Verein oder geht das von der Stadt aus?’
‚Ja, von der Stadt’
‚Also so was wie ein Bauhof?’
‚Ja’
‚Und das wird auch von der Stadt finanziert?’
‚Ja, von der Stadt’
‚Aber es gibt auch private Geldgeber’
‚Ja auch Private Geldgeber…’
Ok, weiter bin ich nicht gekommen, weil wir dann leider abfahren mussten, wäre aber sicher noch ein interessantes Gespräch geworden… hehe *g*
Szenenwechsel nach Chacara Seca. Ebenfalls ein interessanter Name, wenn man bedenkt, dass es sich hier um eine extrem trockene Gegend handelt, in der ein Trinkwasserprojekt durchgeführt wird (Seca, bedeutet trocken *g*).
Wir (freiwilliger Mitarbeiter Fabian und ich) sollten im laufe der Zeit einen Film zur Projektdokumentation produzieren. Gut, das beginnt natürlich damit, herauszufinden wie das Projekt funktioniert, organisiert ist, wann es angefangen hat etc…
Man stellt uns den Leiter des Projekts vor und nach einer kurzen Vorstellung beginnen wir mit der Fragerei
‚Wo sind wir denn hier, ist das das Verwaltungsbuero des Projekts’
‚Mira! Hier gibt es eine Küche’
‚Aha, eine Küche’
‚Mira! Hier gibt es auch Betten’
‚Sehr schön, dann kann man also hier schlafen’
‚Jap, hier kann man schlafen’
…
Ich spar’s mir jetzt, den Dialog zu Ende zu Tippen. ;-)
Was lernen wir daraus?
Erstens, der typische Nicaraguaner kann nicht erklären, zumindest niemandem einen Überblick verschaffen.
Zweitens, die Art der Fragestellung sollte an’s Land angepasst werden und
drittens, um sich genau zu informieren, braucht man Zeit.
Nun mal im Ernst. Ich will mich mit diesem kleinen Bsp weder über die Nicas aufregen noch irgendjemanden schlecht machen. Es fällt nur wirklich auf, dass wir uns in einer komplett anderen Kultur befinden. Die obigen Situationen sind wirklich in etwa so passiert, aber an sich lernt man daraus was ganz anderes. Die Dinge passieren hier wirklich einfach viel indirekter und man redet zuerst mal einfach über Bananen oder Schweizer Taschenmesser, bevor man zum Punkt kommt.
Außerdem (und das ist wirklich so) wird dir ein Nicaraguaner niemals mit „Nein“ oder „Das weiß ich nicht“ antworten, sondern stattdessen eher irgendetwas anderes erzählen – sehr schön auszuprobieren, wenn man irgendwo nach dem Weg fragt.
Ja gut, es wird mich jedenfalls noch einige Zeit kosten, das zu verstehen, falls es überhaupt möglich ist, aber das ist ja unter Anderem auch einer der Gründe warum ich hier bin – und wenn man das alles im ersten Monat erledigen könnte, wären die restlichen elf ja langweilig.
In diesem Sinne, saludos! ;-)
Lukas
Mira! kaputtes Auto! *g*
